Pressespiegel Gewaltprävention 2014

Pressespiegel Gewaltprävention 2014

Chicago in Marsberg

Projekt „Starkmacher Schule“ macht Hauptschüler stark

Detlef Herbers (rechts) vom Sozialinstitut Kommende Dortmund stellte mit Gemeindereferent Manuel Kenter (2.v.re.) und Schulleiter Jan Stoop (3.v.re.) das Projekt „Starkmacher Schule“ vor, welches Lehrer und Schüler an der Hauptschule in Marsberg zurzeit umsetzen. Foto: Kristin Sens

Detlef Herbers (rechts) vom Sozialinstitut Kommende Dortmund stellte mit Gemeindereferent Manuel Kenter (2.v.re.) und Schulleiter Jan Stoop (3.v.re.) das Projekt „Starkmacher Schule“ vor, welches Lehrer und Schüler an der Hauptschule in Marsberg zurzeit umsetzen. Foto: Kristin Sens

„Starke Schüler brauchen keine Gewalt“, ist Detlef Herbers überzeugt.

Er ist stellvertretender Direktor des Sozialinstituts Kommende Dortmund und Ansprechpartner für das Projekt „Stark ohne Gewalt – Stark in Vielfalt“, das im Mai das Schulleben an der Marsberger Hauptschule für eine Woche durcheinander wirbeln wird, denn eingebunden sind alle rund 300 Schüler, sowie das gesamte Lehrerkollegium.

„Unser erstes Anliegen ist, Schülern eine Bühne zu geben, um sich konstruktiv mit dem Thema Gewalt auseinanderzusetzen“, erklärte Herbers. „Das Projekt, welches in dieser Form seit mittlerweile sechs Jahren an Schulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird, ist allerdings mehr als reine Gewaltprävention: In der zentralen Projektwoche wird in 28 verschiedenen Workshops mit Hilfe von 17 professionellen Musikern und Technikern der international besetzten Performance Group GenRosso das Musical „Streetlight“ einstudiert.

Es erzählt die wahre Geschichte eines Jugendlichen aus Chicago, der aus dem Bandenkrieg aussteigen wollte und seinen Gewaltverzicht mit dem Leben bezahlte, sowie von seinem Freund, der unentschieden zwischen den Fronten steht. Am Ende der Projektwoche steht die Aufführung des Musicals vor rund 1.000 Zuschauern. Dafür wird eigens die Dreifachturnhalle umgebaut. Gemeindereferent Manuel Kenter, der seit vielen Jahren im pädagogischen Team von „Starkmacher Schule“ mitarbeitet, ist gespannt, was die Marsberger Schüler aus der Geschichte machen und welche lokalen Bezüge sie entdecken.

In der Vorbereitungs- und Probenzeit sollen die Jugendlichen ihre eigenen Stärken entdecken und mit dem neu gewonnenen Selbstbewusstsein gelassener in Konfliktsituationen reagieren. Die Woche im Mai ist eingebunden in eine rund anderthalbjährige Vor- und Nachbereitungsphase, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern. Dies begann im März mit der Schulung von vier Lehrern im Bereich Kompetenztraining mentale Stärke. Diese dienen als Multiplikatoren, denn sie werden ihre Erfahrungen in Trainingseinheiten an die Schüler weitergeben. „Bisher haben es unsere zehnten Klassen absolviert und das Echo war gut“, berichtete Schulleiter Jan Stoop. Im Anschluss an das Musical folgt ein halbjähriges Seminar zum Thema Soziales Lernen, in dem die in der Projektarbeit geweckten Ressourcen mittels Verhaltens- und Kommunikationstraining auf Alltagssituationen, wie zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch, transferiert werden.

Hintergrundwissen zu Fragen, wie und nach welchen Regeln Gesellschaft und Politik funktionieren, gehören ebenfalls dazu.

Öffentliche Aufführung des Musicals „streetlight“ am 21. Mai um 19 Uhr und 22. Mai um 10 Uhr (für Schulen der Region). Karten sind im Vorverkauf ab sofort an der Hauptschule in Marsberg und im Pfarrbüro der Propstei St. Magnus für 9 Euro (5 Euro ermäßigt) erhältlich. Projektpartner sind neben Starkmacher Schule e.V., Kommende und GenRosso, vor Ort das Katholische Bildungswerk und die Propsteigemeinde. Gefördert mit Bundesmitteln des Programms Xenos und der Stiftung Benevolens der Kommende. (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

 erschienen am: 06.04.2014 im Sauerlandkurier von Kristin Sens


„Carnegiehall“ an der Diemel

300 Schüler gestalten mit professioneller Performancegruppe ein Musical

GenRosso, Streetlight, Marsberg, Starkmacher, beneVolens, Kommende Dortmund

Mit Feuereifer waren die Schüler bei den Vorbereitungen. In einem der 19 Workshops wurde das Bühnenbild hergestellt. Nach eigenen Entwürfen bemalten die Jugendlichen nun Leinwände mit Graffitikunst – sie sollen die Szenerie von Straßen in Chicago vermitteln. Foto: Kristin Sens

Fünf Tage lang stand das normale Schulleben still. Stattdessen wurde das Musical „Streetlight“ vorbereitet, geprobt und umgesetzt.

Im Rahmen des Projekts „Starkmacher Schule“ (SauerlandKurier berichtete) arbeiteten die Schüler der Hauptschule und der LWL-Schule für Kranke mit der international zusammengesetzten Performancegruppe „Gene Rosso“ und standen in zwei Aufführungen schließlich zusammen mit ihnen auf der Bühne.

19 Workshops standen zur Auswahl. Musik- und Tanzgruppen, Bühnenbau und Lichttechnik waren nur einige davon. Dazu gehörten aber auch Service-Bereiche, wie zum Beispiel das Catering für die Betreuer, Dozenten und Künstler von „Gene Rosso“, dem Starkmacher-Team oder der Pädagogischen Hochschule, welche mit den Jugendlichen das Projekt erarbeiteten. Drei Wunsch-Workshops konnte jeder Schüler angeben – aber auch einen, in den sie „auf gar keinen Fall“ wollten. Dadurch waren die meisten zufrieden.

Im und vor dem Kunstraum waren lange Bahnen auf dem Boden ausgebreitet, Schüler mit Pinseln und Farbtöpfchen in der Hand waren darüber gebeugt und füllten die Konturen farbig aus. Zuvor hatte jeder Schüler auf einem Blatt Papier eine eigene Skizze entworfen. Meist ging es ganz demokratisch zu: „Wir haben die Bahn gedrittelt und jeder darf einen Abschnitt mit seinem eigenen Motiv bemalen“, erklärte ein Schüler.

„Zuerst waren die Schüler ganz perplex und etwas unsicher: Was kommt da auf mich zu“, erzählte Ciro Erconalese von „Gene Rosso“. Nur wenige Stunden später war davon nichts mehr zu spüren. Ein paar Räume weiter hörte man – laut und rhythmisch – die Musiker. Sie probten an diesem Montagmorgen erst seit anderthalb Stunden zusammen, aber der Sound klang schon überzeugend.

„Wir kommen nicht mit Schablonen an“

Die Schüler waren alters- und klassenmäßig bunt gemischt. Der 15-jährige Nicolas Gerlach und der elfjährige Henning Hecht spielen beide Trompete und sind im Musikverein Erlinghausen aktiv. Sie wussten also schon, wie es bei Proben zugeht. Trommler Michael Böttcher vom Spielmannszug Niedermarsberg fand es gut, „etwas selbst mit entwickeln“ zu können. Jessica Kröger, die im Tambourcorps Essentho die Querflöte spielt, freute sich, mal „etwas Neues“ zu spielen – und auch andere Instrumente dabei zu haben. Ihr künstlerischer Leiter Beni Enderle erklärte: „Unser Spiel wird mit Rhythmus unterlegt – und daraus erfinden wir uns als Band. Das ist der Pakt: Wir kommen nicht mit irgendwelchen Schablonen an, sondern schauen, was die Schüler anzubieten haben.“ Bläser oder ein Tenorsaxophon hatten sie zum Beispiel zuvor noch nie bei einer Aufführung dabei.

Wie viele der Künstler spricht der Hip-Hop-Trainer Adelson Oliveira kaum Deutsch und benötigte einen Dolmetscher an seiner Seite. Beim Tanz kann er aber vieles durch Gesten veranschaulichen und die Schüler beobachteten ihn aufmerksam. Oliveira ist schon seit sieben Jahren bei „Gene Rosso“. Er hat also viele Schüler erlebt: „Diese hier,“ sagte er anerkennend, „lernen sehr schnell. Wir proben noch keine drei Stunden zusammen und es läuft schon sehr gut.“ Dabei haben viele von ihnen vorher noch nie getanzt, geschweige denn schon mal auf einer Bühne gestanden.

Die 13-jährige Kimberley Elbe und auch die 14-jährige Kim Klaer erzählten: „Hip Hop tanzen, das wollte ich schon immer mal machen.“ Der 17-jährige Jindar Iskan bezeichnete sich eher als zurückhaltenden, vorsichtigen Menschen. Dennoch hatte er sich hier, zudem noch als einer der wenigen Jungen, auf das Hip Hop Tanzen eingelassen. In allen Gruppen wurden die Jugendlichen durch die Künstler angeleitet und beraten, konnten innerhalb eines vorgegebenen Rahmens ihrer kreativen Phantasie aber freien Lauf lassen. Dass sie sich das zutrauten, lag auch an dem Kompetenztraining, welches sie vorher absolvierten. Wie die meisten, hatte der 15-jährige Arndt Brüne noch nie ein Musical gesehen: „Ich habe mir überhaupt nicht vorgestellt, dass dafür so vieles zu machen ist.“

Die Botschaft ist stark und eindeutig

In der zweimal so gut wie ausverkauften Dreifachsporthalle in Marsberg erzählten die 300 Schüler und die Profimusiker den Zuschauern die wahre Geschichte eines jungen Mannes, der sich für Gewaltfreiheit einsetzte – und letztendlich sein eigenes Leben dafür aufopferte. Chicago in den 60er Jahren. Jugendbanden fechteten ihre Territorialkriege aus. Überfall, Schießerei und Tote waren an der Tagesordnung.

Marsberg im Jahre 2014. Eine multikulturelle Profigruppe führte zusammen mit jungen Schülern der LWL-Schule und der Hauptschule das Musical „Streetlight” auf. Ein starker Zusammenhalt, Begeisterung für Musik und Tanz und eine unglaubliche Ausdrucksstärke wurden an den Tag gelegt. Charles Moat, ein junger Afroamerikaner, der in den 60er Jahren in Chicago lebte, musste seine Entscheidung auf Gewalt zu verzichten mit seinem Leben bezahlen. Die 300 jungen Schüler ernteten mit dem Musical großen Applaus. Die Geschichte von Charles Moat und seinem Einsatz gegen Gewalt ist nicht nur ergreifend und mitreißend, sondern hat sich auch so abgespielt.

Die Botschaft des Musicals ist ebenso stark wie eindeutig: innere Stärke und Zusammenhalt statt alltägliche Gewalt und ein Gegeneinander. Die Schüler meisterten die Vermittlung dieser Botschaft mit Bravour. Zum einen durch eine reibungslose und professionelle Zusammenarbeit mit „GenRosso“, die sich aus Künstlern aus aller Welt zusammensetzt, und zum anderen mit dem Musical an sich. Die Geschichte wurde von starken Rhythmen, viel Tanz und einer wahnsinnigen Stimmung untermauert. (Von Kristin Sens und Emily Engels, marsberg@sauerlandkurier.de)

 erschienen am: 25.05.2014 im Sauerlandkurier von Kristin Sens und Emiliy Engels


Streetlight: Heiße Show vor ausverkauftem Haus

Marsberg. Eine „heiße“ Show, nicht nur wegen des Wetters, bot das Musical „Streetlight“ am Mittwochabend und Donnerstagmorgen in der jeweils ausverkauften Dreifachturnhalle.

Die Band GenRosso übte seit Montag mit über dreihundert Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftshauptschule und der LWL-Schule am Bomberg dieses Musical ein. Es basiert auf der wahren Geschichte des Afroamerikaners Charles Moats. Die internationale Band GenRosso präsentierte mit der Unterstützung der Marsberger Schüler das Musical wahrhaft meisterlich.

In nur zwei Tagen lernten die Jugendlichen in 19 unterschiedlichen Workshops u. a. verschiedene Tänze, Gesänge und Lichtdarbietungen. Gemeindereferent Manuel Kenter von der Propsteigemeinde St. Magnus Niedermarsberg, der das Musical nach Marsberg holte, und Katharina Messmann aus Mannheim von Starkmacher e.V. führten durch das Vorprogramm und stellten einige Ergebnisse vor.
Menschen stark machen

Die gemeinsame Arbeit für das Musical zeigte eindrucksvoll, wie es gelingen kann, Menschen stark zu machen. Genau darum ging es den Machern des Programms „Starkmacher Schule“. In der Projektwoche „Stark ohne Gewalt“, in der das Musical eingeübt und aufgeführt wurde, zeigten Schülerinnen und Schüler, welche Talente und Fähigkeiten sie haben. „Es ist schon bewundernswert, was in den jungen Menschen für ein Potential steckt, wenn man sie mal machen lässt“, sagte eine begeisterte Zuschauerin. Anhaltender Beifall vom Publikum und die Rufe nach einer Zugabe machten dieses deutlich.
Hut ab vor der Leistung

Lehrer Gottfried Konze, der einen der Workshops leitete, sagte: „Hut ab vor der Leistung der Schüler“ und nahm wirklich seinen Hut auf der Bühne vor ihnen ab. Hochzufrieden war auch der stellvertretende Schulleiter der Gemeinschaftshauptschule Marsberg, Jan Stoop: „Ich habe in den letzten zwei Tagen zu 99,9 Prozent nur lachende Gesichter gesehen.“

Ute Kröger

erschienen am 24.05.2014 in der WAZ von Ute Kröger