Reisetagebuch Deutsche zu Besuch in Polen

Reisetagebuch Deutsche zu Besuch in Polen

Schülerjournal „Rassismus und Toleranz“ St. Annaberg 2012

Tagebuch des Deutsch-Polnischen Seminars


 

foto_2Die Schülerinnen und Schüler der Katholischen Hauptschule
Dortmund-Husen haben das Soziale Seminar in St. Annaberg,
an dem sie im Rahmen des
beneVolens-Projektes
„Gemeinsam die Zukunft gestalten“ teilnehmen konnten,
in Form eines Seminartagebuches begleitet:


1. Tag: Ankunft in St. Annaberg

Deutsch-Polnisches Seminar, St Annaberg, Kommende Dortmund, beneVolensAls wir die polnischen Schülerinnen und Schüler kennenlernten, haben wir festgestellt, dass sie gut deutsch sprechen können – und für uns ist das Sprechen polnischer Wörter ganz schwer.

Wir haben Redaktionsgruppen gebildet, um Beiträge für unsere Schulhomepage zu schreiben. Unsere Aufgabe ist es heute, über St. Annaberg zu berichten.

Auf dem Weg zum Dorf kamen wir an einem großen Feld vorbei (siehe Bild links). Da steht dieser weiße Altar, der extra für den Besuch des Papstes gebaut wurde. Herr Glombik, ein der Lehrer der polnischen Schülerinnen und Schüler erklärte uns, dass Papst Johannes Paul II. 1983 vor ca. 1 Millionen Menschen hier eine Predigt gehalten hat.

Tag+1_KircheAuf dem Weg ins Dorf hinein sahen wir eine große weiße Kirche. Wir fotografierten sie, weil sie über das ganze Dorf hinaus ragt (siehe Bild rechts). Im Dorf ist uns aufgefallen, dass die Luft viel frischer ist als bei uns in Dortmund. Die Straßen sind klein und uneben. Die Läden sind im Dorf auch viel kleiner als in einer deutschen Großstadt, aber die Preise für Lebensmittel sind viel niedriger als in Deutschland.


2. Tag:  Besichtigung KZ Auschitz-Birkenau

Heute waren wir im Konzentrationslager II in Birkenau. Wir erfuhren grausame Dinge über die Zeit 1939-1945 und wollen hierüber informieren.

Benevolens, Deutsch-Polnisches Seminar, KZ Auschwitz, Kommende DortmundAuschwitz war für uns sehr bewegend. Wir sind immer noch sehr schockiert, wie die Menschen dort damals von anderen Menschen behandelt wurden. Es war ein tiefes Schweigen und unsere Gedanken gingen zu den Menschen, die so viel Leid ertragen mussten.

Unsere Gedanken waren bei den getöteten Menschen. Es zerreißt uns das Herz, was damals geschah. Besonders schlimm fanden wir, dass kleine Kinder sofort in eine Gaskammer kamen und ermordet wurden, weil sie für die Nazis nicht arbeiten konnten. Die Kinder ab 14 Jahren wurden genauso behandelt wie die Erwachsenen. Auch sie hungerten, schufteten und starben.


KZ Auschwitz, Kommende Dortmund, Benevolens, Deutsch-Polnisches Seminar

Die Kleidung der Kinder wurde ihnen vor dem Tod weggenommen.

Deutsch-Polnisches Seminar, beneVolens, Kommende Dortmund, KZ Auschwitz

Der Tod kam plötzlich. Das Gas strömte aus einem Loch in der Decke in die Lungen, und keiner erwartete es. Die Menschen schrien vor Angst – danach war eine einsame Stille.

KZ Auschwitz, Frauenbaracke, Kommende Dortmund, beneVolens, Deutsch-Polnisches Seminar

Bei der sogenannten Frauenbaracke mussten 5-6 Frauen in ein und demselben Bett, das heißt auf einer Holzfläche schlafen. Die Baracken waren nicht zu lüften, da die Fenster im Mauerwerk mit eingebaut waren. Im Winter gab es nur 20 Kilogramm Holz pro Tag zum Heizen der Baracke, in der 500-700 Frauen lebten.

 

Kommende Dortmund, KZ Auschwitz, Latrinen, BeneVolens, Deutsch-Polnisches Seminar

Auf dem Latrinenbild erkennt man die Toiletten von den Frauen. Dort durften sie nur zweimal am Tag hingehen – morgens nach dem Appell – und abends nach der Arbeit. Ihre Notdurft mussten sie selbst mit Werkzeug oder mit den Händen wegtransportieren, weil es im Lager kein fließendes Wasser gab.

 

KZ Auschwitz, Waggon, Kommende Dortmund, Deutsch-Polnisches Seminar, beneVolens

Dies ist ein Eisenbahnwaggon, mit dem Juden aus der Slowakei, Ungarn, Polen, Italien, Norwegen, der Ukraine und aus anderen Ländern transportiert wurden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.Tag: Rassismus nach 1945

Morgens machten wir gemeinsame Spiele. Wir schafften es uns mit 35 Mädchen und Jungen auf nur 13 Stühle zu stellen.Kommende Dortmund, Deutsch-Polnisches Seminar, St. Annaberg, beneVolens, WUP

Rassismus in Polen

Wir sahen heute einen Film über Rassismus in Fußballstadien in Polen. Er handelte von der Europameisterschaft 2012. Wir fanden den Film sehr brutal, weil die Hooligans mit sehr viel Gewalt und Rassismus vorgingen. Die Menschen, die dort randalierten, warfen mit Gegenständen um sich. Sie übten Gewalt gegenüber polnischen Menschen aus. Die Hooligans hängten überall Plakate auf, auf denen ihre Menschenfeindlichkeit dargestellt wurde.

Nazis in Dortmund

In Dortmund haben sich die Menschen gegen die Nazis so geschützt: Sie haben Telefonketten  gestartet und haben angegriffene Häuser geschützt. Sie machen Veranstaltungen gegen die Nazis. Sie veranstalten sogar Feste auf Plätzen, damit die Nazi-Demonstration da nicht stattfinden können.

Rassismus heute

Rassismus heute, beneVolens, Kommende Dortmund, Deutsch-Polnisches Seminar Wir mussten einen Test machen, in dem wir ankreuzen sollten, welche Eigenschaften die Deutschen, Polen und Türken haben. Zum Beispiel ob sie nett, stark, lustig, hässlich usw. seien. Dabei durften wir nicht reden und wurden streng behandelt. Alle füllten den Test aus. Einige taten dieses sofort und andere nach etwas Überlegung. Am Ende bekamen wir die Auswertung. Alle Schülerinnen und Schüler aus Polen und Deutschland waren durchgefallen. Anschließend redeten wir darüber, dass man keine Vorurteile gegenüber anderen Nationalitäten haben und man nicht ein ganzes Land verurteilen sollte, weil man vielleicht mit einigen Menschen einer Nationalität schlechte Erfahrungen gemacht habe. Unter anderem haben wir gelernt, dass auch positiver Rassismus rassistisch ist.

Rollenspiel „Straßenbahn 38“

Wir spielten eine Situation in einem öffentlichen Verkehrsmittel nach, die sich jeden Tag so ereignen kann. Dort ging es um eine ausländische Frau, die von einem deutschen Mädchen einen Schal beim Umlegen um den Hals in ihr Auge bekommen hat. Das Mädchen, das aus Versehen ihren Schal in das Auge der ausländischen Frau geworfen hat, sah es nicht ein, sich bei ihr zu entschuldigen da sie nicht bemerkte, der Frau wehgetan zu haben. Es war keine Absicht. Nachdem die ausländische Frau nach einer Entschuldigung verlangte, wurde sie von den meisten Fahrgästen herunter gemacht und beschimpft – bis sich ein anderes Mädchen einmischte und versuchte, der ausländischen Frau zu helfen. Am Ende besprachen wir es in der Gruppe und stellten fest, das sich keiner so wirklich wohl in seiner gespielten Rolle gefühlt hat.


4. Tag: Wertekonferenz & Amphitheater

Der Tag begann mit einem Warm-up-Spiel. Unsere Aufgabe war es, einen Kreis zu bilden und uns an die Hände zufassen. Dann sind wir in die Mitte gegangen und haben uns verknotet. Zwei Schüler mussten den Raum verlassen. Als die zwei Schüler den Raum wieder betreten hatten, mussten sie die anderen Schüler entknoten.

Diskussion um Werte der Jugend

In Gruppen mit je 5 Schüler/innen (2 deutsche und 3 polnische) sollten wir uns gemeinsame Werte für Polen, Deutschland und Europa ausdenken, die wir dann in einer Wertekonferenz vorstellten. In der Konferenz haben wir uns auf fünf Werte geeinigt, die wir mit unseren Erklärungen Abgeordneten des Europaparlaments in Brüssel schicken wollen.

Kirchenbesichtigung

Heute Nachmitttag haben wir die Kirche St. Annabergs besichtigt. Das Aussehen der Kirche war sehr schön, sehr edel, modern und vielfältig. Sie wurde mit Gemälden an den Decken und Wänden verziert. Diese haben die Geschichte der heiligen Anna und der Franziskaner dargestellt. Über dem Altar ist eine Figur der heiligen Anna, deren Kleider an Feiertagen gewechselt werden. Der Altar ist zudem auch mit Gold und Engeln verziert.

Nationalsozialistisches Projekt „Amphitheater“

Danach sind wir zum Amphitheater gewandert. Dieses wurde von Nazis gebaut und sollte mit Platz für 50.000 Zuschauer als Propagandabühne dienen und die Feste der Christen auf dem Annaberg stören. Wir haben ausgetestet ob man eine Person vom Mittelpunkt aus bis zum letzten Platz oben hören kann. Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass man diese Person mit normaler Lautstärke perfekt hören konnte. Nach der Führung durfte unsere Gruppe sich im Dorf aufhalten.