„Verhältnis von Ökonomie und Ethik kritisch hinterfragen“

„Verhältnis von Ökonomie und Ethik kritisch hinterfragen“

Seit dem 1. Oktober ist Charlotte Bachmair die neue beneVolens Referentin für den Bereich Wirtschaftsethik an Schulen. Sie übernimmt die Stelle von Jana-Maria Keine. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, ihre Ideen für das Projekt und stellt klar, warum Wirtschaftsethik wichtig ist.

Was hat Dich dazu bewogen, Dich für die Projektstelle bei beneVolens zu bewerben?

Ich sehe hier die Chance, jungen Erwachsenen zu vermitteln, dass unsere wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht fest sind, sondern dass jede Wirtschaftsordnung weiterentwickelt werden kann. Ich möchte sie dazu motivieren nicht nur ökonomisch zu denken, sondern eine ethische und verantwortungsbewusste Haltung zu entwickeln.

Warum sollte deiner Meinung nach das Thema Wirtschaftsethik an Schulen behandelt werden?

In unserer ökonomisch denkenden Gesellschaft ist es wichtig, den Jugendlichen moralische Urteils- und Handlungskompetenzen an die Hand zu geben.  So können sie das Ver­hältnis von Ökonomie und Ethik kritisch hinterfragen und selbstständig Handlungs­alternativen finden. Das Projekt „Wirtschaftsethik an Schulen“ kann sie dabei anleiten, die Folgen ihres eignen Verhaltens und das der anderen für die Gesellschaft zu reflektieren.

Welchen besonderen Schwerpunkt möchtest du setzen? Welches Thema liegt dir am Herzen?

Mir persönlich ist die ökologische Ebene der Nachhaltigkeit besonders wichtig. Die Umweltbelastungen unseres ökonomischen Handelns zerstören sowohl die Lebensgrundlagen heutiger als auch nachfolgender Generationen. Das Projekt kann den Jugendlichen Denkanregungen und Entscheidungshilfen für das wertorientierte und nachhaltige Verhalten im ökonomischen und ökologischen Kontext geben.

Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten siehst Du im Projekt „Wirtschaftsethik an Schulen“?

Es gibt bisher kein systematisches und umfassendes Angebot für die Unterrichtsgestaltung von Wirtschaftsethik. Daher werde ich als erstes schülergerechtes Material zusammenstellen und entwerfen.
Hinzu kommt, dass wirtschaftsethische Probleme nicht selten aufgrund ihrer Komplexität unübersichtlich sind. Meist gibt es nicht nur eine richtige Lösung, sondern man muss in einer Dilemma-Situation zwischen Individualwohl und Gemeinschaftswohl abwägen. Die Auseinander­setzung mit solchen Problemen erfordert von den Jugendlichen eine kritische Grundhaltung und die Fähigkeit, ihre eigenen Denkstrukturen zu reflektieren. Das wird manchmal durchaus anstrengend und unbefriedigend sein.

Welche Erfahrungen hast Du bisher in der außerschulischen Jugendbildung sammeln können?

Als pädagogische Teamerin bei einem Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe habe ich bereits Bildungsangebote mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Jahrgänge aus allen Schulformen durchgeführt. Die Behandlung unterschiedlicher Themenbereiche wie Geschichte, Natur, „Lernen lernen“  oder Teambuilding forderte dabei stets ein hohes Maß an Flexibilität. So lernte ich immer wieder Neues, sowohl auf thematischer als auch auf menschlicher Ebene.

Was findest Du das Interessante und Besondere an der Arbeit von beneVolens?

Ich finde es bemerkenswert mit welchem Einsatz und welcher Vielfalt Jugendliche bei beneVolens auf ihrem Weg zu selbstbewussten und selbstbestimmten Menschen wertgeschätzt und gefördert werden. Insbesondere sozial schwache Jugendliche auf diesem Weg zu begleiten ist eine wichtige Voraussetzung für ihre gesellschaftliche Teilhabe.


Charlotte Bachmair absolvierte ihr Lehramtsstudium in den Fächern Mathematik und katholische Theologie. Während des Studiums führte sie als Teamerin pädagogische Bildungsangebote mit Kindern und Jugendlichen durch. In den Wintermonaten organisierte sie Skireisen für Studenten und Familien. Seit dem 1. Oktober 2018 arbeitet sie für beneVolens als Referentin für das Projekt „Wirtschaftsethik an Schulen“.