Heute sind wir eins

Heute sind wir eins

Deutsch-Polnischer Jugendaustausch in St. Annaberg

Die Stiftung beneVolens unterstützt seit fast zehn Jahren deutsch-polnische Austauschwochen. Doch seit diesem Schuljahr gibt es nicht nur ein, sondern zwei Austausch-Projekte. Neben dem Projekt in Krakau trafen sich Ende September 45 Jugendliche aus Essen und dem polnischen Zabrze in St. Annaberg (kleiner Ort zwischen Breslau und Kattowitz). Thematisch haben sie sich dort mit der Bedeutung und den Auswirkungen der sozialistischen totalitären Herrschaft in Polen beschäftigt sowie mit dem Beitrag Polens zur Überwindung der Teilung Europas. Dank des besonderes Themas wurde das Projekt mit dem Richeza-Preis der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung ausgezeichnet.

Gemeinsam haben die Jugendlichen beider Länder historische Orte besucht wie das schlesischen Zentrum der Freiheit und der Solidarität in Kattowitz. Dort konnten sie im Austausch mit Zeitzeugen erfahren, unter welchen Repressionen diese unter dem Regime im damaligen Polen lebten, aber auch wie sich viele Menschen über zivilgesellschaftliches Engagement für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung stark gemacht haben. So wurde während der Woche auch die friedliche Revolution im Juni 1989 in Polen thematisiert.

Auch beim Besuch des Bergwerks Wujek konnten die Jugendlichen mit einem Zeitzeugen reden, der während der kommunistischen Herrschaft für seine Freiheit eingetreten und deshalb als politischer Gefangener inhaftiert war. Daneben haben sie dort einen Eindruck des kommunistischen Arbeitsideals erhalten. Später wurde auch die Rolle der Kirche im Kampf gegen das System in Polen und in der DDR themamisiert und diskutiert.

Gemeinsame Geschichte verbindet

Daneben stand während des Austauschs die Begegnung der Jugendlichen beider Länder im Zentrum. Sie schauten sich gemeinsam Zabrze und Krakau an, verbrachten die Abende zusammen und diskutierten darüber, welche Verantwortungen sie selbst, als junge Generation Europas – und nach der Projektwoche als Freunde – heute haben. Dabei entdeckten sie, wie viel sie durch die gemeinsame Geschichte, aber auch durch die ähnlichen Wünsche und Hoffnungen verbindet.

Der Austausch mit Polen war eine echt tolle Erfahrung. Besonders gefallen hat mir, dass wir uns mit dem polnischen Beitrag zu den damaligen Ereignissen in Deutschland beschäftigt haben und wir uns direkt mit den polnischen Schülerinnen und Schülern austauschen konnten. Der Austausch hat mir einen ganz anderen Eindruck über die polnische Kultur gegeben, da ich auch viel über das Leben und die verschiedenen Sitten Polens erfahren habe.

Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, Essen

Ziel des Projekt zwischen den Schulen aus Essen und Zabrze war es, der jungen Generation zu zeigen, wie ein Individuum durch ein (totalitäres) System unterdrückt werden kann und dennoch nach Freiheit streben und für diese kämpfen kann. Angesichts zunehmend nationalistischer und populistischer Tendenzen in Deutschland und Polen eine wichtige Mahnung aus der gemeinsamen Geschichte. So diente das Projekt von beneVolens und der Kommende Dortmund – welches vom DPJW unterstützt wird – der Stärkung und Vertiefung der deutsch-polnischen und europäischen Beziehungen anhand des historischen Beispiels des Zusammenbruchs des Ostblocks von 1989. Dafür wurde es vom Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Richeza-Preis für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung ausgezeichnet.