Angelina Elischberger leitet für beneVolens das Soziale Seminar an der Emscherschule Aplerbeck und das Entrepreneurship-Seminar an der Jeanette-Wolff-Schule am Mengeder Markt.
»Politik? Interessiert mich nicht!« Wenn Angelina Elischberger diesen Satz hört, wird sie nachdenklich. Denn bei Politik denkt die 25-Jährige aus Dortmund nicht zuerst an Parteien, Parlamente oder Talkshows. Sie denkt an Bildungschancen, Gleichberechtigung und mentale Gesundheit.
»Politik beginnt im Alltag«, sagt sie. »Sobald ich mich frage, was wir als Gesellschaft brauchen und wie ich dazu beitragen kann, wird es politisch.«
Angelina studiert in Dortmund und arbeitet nebenbei als Referentin für politische Bildung bei beneVolens, der Jugendstiftung der Kommende Dortmund. Dort gestaltet sie Seminare zu Menschenrechten und Demokratie. Ihr Ziel: Politik für junge Menschen verständlich und greifbar machen.
Doch warum ist ihr das so wichtig?
»Ich liebe Menschen und ich liebe Konversationen«
Alles beginnt mit persönlichen Erlebnissen.
Beim Thema Bildung zum Beispiel hat Angelina erlebt, wie unterschiedlich die Schulsysteme sind. Sie war erst auf der Hauptschule, ist dann auf die Realschule und später aufs Gymnasium gewechselt. Sie sagt: »Ich habe gemerkt, dass dieselben Themen ganz unterschiedlich vermittelt wurden.«
Ihr Eindruck: An der Hauptschule waren Unterrichtsinhalte teilweise stärker darauf ausgerichtet, Inhalte zu lernen und wiederzugeben. »Mir persönlich hat dabei manchmal der Raum für ausführlichere Diskussionen und Diskurse gefehlt.
Beim Wechsel zum Gymnasium habe ich dagegen erlebt, dass stärker erwartet wurde, sich mit Themen kritisch auseinanderzusetzen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und eigene Positionen zu entwickeln und diese vor allem zu begründen.«
»Warum hatte ich dieses Bild im Kopf?«
Für das Thema Inklusion interessiert sich Angelina dadurch, was sie bei einem Freiwilligendienst in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung erlebt hat.
Lange dachte Angelina bei Inklusion vor allem an sichtbare Behinderungen wie bei Menschen im Rollstuhl oder mit Down-Syndrom. Und sie glaubte, viele Betroffene seien unselbstständig und dauerhaft auf Hilfe angewiesen.
Dann lernt sie Menschen kennen, die ihren Alltag eigenständig organisierten und in manchen Bereichen mehr wussten als sie selbst. »Da habe ich mich gefragt: Warum hatte ich dieses Bild im Kopf?«
Die Begegnungen verändern sie. Angelina sagt: »Ich habe verstanden, dass Inklusion viel weiter reicht. Nicht jede Beeinträchtigung ist sichtbar. Auf der Straße erkennst du nicht, ob jemand an einer Depression leidet, Diskriminierung erfahren hat oder im Alltag immer wieder auf Barrieren stößt.«
Wenn politische Themen Gesichter bekommen
Für Angelina sind solche Begegnungen der Schlüssel zu politischem Engagement. Abstrakte Themen werden konkret, bekommen Gesichter und persönliche Geschichten. Es zeigt: Vielleicht wirken politische Debatten manchmal so weit weg, weil wir uns nicht betroffen fühlen und die Menschen dahinter nicht kennen.
Angelina sucht diese Gespräche, um von Menschen zu erfahren, was sie bewegt, beschäftigt, belastet.
Im Studium, in ihrer Kirchengemeinde und bei ihrem Ehrenamt bei der Diakonie, bei dem sie Kinder mit Beeinträchtigungen, Behinderungen und einem Pflegegrad betreut, begegnet sie Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten.
Sie sagt: »Ich liebe Menschen und ich liebe Konversationen.«
[… Diese Leidenschaft bringt sie jede Woche bei ihrer Arbeit für beneVolens mit den Jugendlichen ein, wenn] Sie sagt:
»Bei Politik geht es ja nicht nur um die Frage: Was brauche ich? Sondern: Was ist für uns wichtig? Wovon können wir alle profitieren?«
An diesem Punkt gehören für Angelina politisches Engagement und Glaube zusammen. Nächstenliebe bedeutet für sie, andere Menschen wahrzunehmen. Sich von den Sorgen berühren zu lassen. Etwas verändern zu wollen.
»Weil ich auf das Gute im Menschen hoffe«
Sie denkt dabei an Jesus, von dem es im Matthäusevangelium heißt: »Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen« (Mt 9,36). Angelina versteht das als Mitgefühl, das zu verantwortungsvollem Handeln führt.
Der Glaube empowert Angelina zu Nächstenliebe. Und er schenkt ihr die Hoffnung, an das Gute im Menschen zu glauben. »Auch wenn man nur schlechte Nachrichten hört«, sagt sie.
[…] Die Geschichte von Angelina zeigt, womit das anfängt: sich füreinander zu interessieren.
gekürzter Artikel »Politik beginnt im Alltag« von Tobias Schulte erstveröffentlicht am 3. September 2026 auf YOUPAX